Warum heißt das erste Laufwerk unter Windows

Warum heißt das erste Laufwerk unter Windows

Manche Dinge hinterfragen wir selten und akzeptieren sie einfach so, wie sie sind. Aber haben Sie sich jemals gefragt, warum die Hauptfestplatte eines Windows-Systems mit dem Buchstaben "C" gekennzeichnet ist? Warum nicht "A" oder etwa "1"? Die Antwort reicht bis in die Anfänge der Computertechnik zurück.

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Langjährige Nutzer erinnern sich vielleicht daran, dass die Anfänge von Windows eng mit einem der ersten von IBM vertriebenen PC-Betriebssysteme verbunden waren: PC DOS, später bekannt als MS-DOS. Noch bis 1992 (Windows 3.11) war Windows lediglich eine grafische Erweiterung von MS-DOS. Um Windows zu starten, mussten Nutzer den Befehl "win" manuell in die DOS-Befehlszeile eingeben. Spätere Versionen wie Windows 95, ME und 98 automatisierten diesen Vorgang. Die Geschichte hinter den Laufwerksbuchstaben begann jedoch bereits mehr als 20 Jahre zuvor.

Ein Programmierer setzt den Standard

In den frühen 1970er Jahren entwickelte der amerikanische Programmierer Gary Kildall das Betriebssystem CP/M (Control Program for Microcomputers). Er stützte sich dabei weitgehend auf Open-Source-Code eines früheren IBM-Systems namens CP/CMS, das Ende der 1960er Jahre entwickelt worden war.

Zu dieser Zeit verfügten Computer in der Regel über zwei integrierte Diskettenlaufwerke. Kildall wies dem Laufwerk, das zum Booten des Betriebssystems diente, den Buchstaben A zu, und dem Laufwerk für den Datenaustausch den Buchstaben B. Ein Laufwerk C war noch nicht erforderlich, da es kein anderes praktisches Speichermedium gab.

Disketten als vorherrschendes Speichermedium

In den 1970er Jahren waren Disketten der Standard für die Datenspeicherung. Ganze Betriebssysteme passten auf eine kleine, flexible Diskette. Damals war ein Betriebssystem oft kleiner als ein Megabyte, sodass 5,25-Zoll- und später 3,5-Zoll-Disketten vollkommen ausreichten.

Festplatten, wie wir sie heute kennen, waren für den massenhaften Einsatz noch nicht praktikabel. IBM stellte 1956 eine frühe Festplatte vor - die IBM 350 -, die etwa 3,5 Megabyte an Daten speichern konnte. Sie war jedoch riesig, teuer und für Personalcomputer unpraktisch.

Infolgedessen hatten Diskettenlaufwerke in der Namenshierarchie Vorrang, und ihre Buchstaben kamen vor denen der Festplatten. Diese Konvention besteht bis heute fort, obwohl Diskettenlaufwerke längst verschwunden sind.

Neue Betriebssysteme übernehmen die Namenskonvention

Anfangs fand CP/M wenig Beachtung. Obwohl IBM Mitte der 1970er Jahre ein gewisses Interesse zeigte, wurde nichts daraus. 
Gary Kildall gründete später ein Unternehmen namens Digital Research, und schon bald interessierten sich mehrere Computerhersteller für sein Betriebssystem.

Als CP/M an Popularität gewann, meldete sich IBM mit neuem Interesse zurück. In den frühen 1980er Jahren erkannte IBM das Potenzial von Personalcomputern und erwog den kommerziellen Einsatz von CP/M.

Zur gleichen Zeit kursierten Gerüchte über eine kommende Version namens CP/M-86, die für Intels 8086-Prozessoren entwickelt worden war. Unterdessen wurde der Programmierer Tim Patterson ungeduldig und entwickelte sein eigenes Betriebssystem, das zunächst QDOS ("Quick and Dirty Operating System") hieß, aber bald vom ihm in 86-DOS umbenannt wurde.

Microsoft etabliert MS-DOS als Standard

Microsoft zeigte Interesse, erwarb die Rechte für 50.000 Dollar und engagierte Patterson. Dies markierte den Beginn einer Partnerschaft, die die PC-Branche prägen sollte.

Im August 1981 stellte Microsoft MS-DOS vor, das schnell zum Standardbetriebssystem für Personal Computer wurde. IBM lizenzierte es und verkaufte es eine Zeit lang als PC DOS, bevor es schließlich den Namen MS-DOS übernahm.

Warum die Buchstaben bis heute bestehen

Im Laufe der Zeit ersetzten Festplatten die Disketten als primäres Speichermedium und erhielten den Buchstaben C. Die Buchstaben A und B blieben für Diskettenlaufwerke reserviert, auch nachdem diese veraltet waren.

Obwohl moderne Windows-Versionen nicht mehr auf MS-DOS oder dessen Vorgänger zurückgreifen, ist das Laufwerksbuchstabensystem aus Gewohnheit unverändert geblieben. Die Buchstaben A und B stehen nun als Relikte einer längst vergangenen Technologie.